Als spezifisches Beispiel der sinnvollen Anwendung von PhysML,
der Physik Markup Language, wurde die Thermostatik gewählt, weil
sie
- ein Teil des Fundamentes vieler Gebiete der Physik ist und
in der Lehre zum Pflichtkanon der theoretischen Physik gehört,
- mathematisch für viele Gebiete der Physik grundlegende algebraische
Objekte enthält
(partielle Ableitungen, Potentiale, Hauptsätze),
- einen eng definierten mathematischen Unterraum der Ableitungen und Relationen
besitzt, und so einen ersten Probepfad zur Entwicklung einer PhysML und ihrer
Kodierung durch OMDoC zu entwickeln erleichtert.
Thermostatische Variable sind Messgrößen, die neben den
mechanischen Variablen die thermostatistischen Eigenschaften als Observable
beschreiben.
Beispiele sind Druck
, Temperatur
, Entropie
, Innere Energie
, ...
Potentiale in der Thermostatik sind Funktionen von thermostatischen
Variablen, die die vollständige thermostatische Information
über ein vorgelegtes System enthalten. Alle thermostatischen
messbaren Eigenschaften von beliebigen thermostatischen Observablen müssen
sich durch geeignete mathematische partielle Ableitungsoperationen
berechnen und so vorhersagen lassen.
Ein Beipiel eines thermostatischen Potentials1ist die innere Energie
pro Stoffmenge
als Funktion des spezifischen Volumens
,
der spezifischen Entropie
, also
.
Besonders einfach zu messen wäre z.B. die spezifische Wärme
als Funktion der Temperatur bei Festhaltung des Druckes, z.B.
also bei normalem Luftdruck im Labor. Die spezifische Wärme ist die Energie,
die dem System zugeführt werden muss2
Wie aber berechnet sich
aus
,
dem Träger auch dieser Information?
Diese einfachste Aufgabe wurde bereits von Max Planck in seinem grundlegenden
Lehrbuch Thermodynamik[[#!planck-1905!#]
von 1905 behandelt und dient hier als Beispiel.
Wir nutzen die moderne Notation[#!hilf-suessmann-1972!#] für eine partielle Ableitung, die Urbild, Abbildung und Abbild voneinander trennt:
Auf Seite 55 leitet er aus dem totalen Differential
also
und der Kettenregel für partielle Ableitungen
für irgendwelche Variablen
durch Einsetzen ab
Evaluieren wir nun anhand der Definition des totalen Differentials
für einen zweidimensionalen thermostatischen Zustandsraum
ergibt[#!hilf-suessmann-1972!#]
die zweidimensionale Subsitutionsregel
für eine Koordinatentransformation
zu
,
die für Spezialfälle zu den allbekannten Regeln führt,
der Substitutionsregel für die abhängige Variable,
der Inversionsregel
und der Triangulation
Mit dieser Jacobi-Matrizen-Algebra schreiben wir nun die Herleitung
von Planck in eleganterer Weise um:
Weil die partiellen Ableitungen
and
vertauschen,
erhalten wir nach Umstellung der Gleichungsterme und mittels der Identität
chließlich
Diese Identität ist nichts anderes als eine direkte Folge des ersten Hauptsatzes
der Thermostatik und kann experimentell geprüft werden, weil nur die beiden
spezifischen Wärmen und die Zustandsgleichung
) eingehen.
Das Schöne ist nun, das mit PhysML geschrieben und in OMDoC kodiert,
diese Gleichungen schrittweise automatisch analysiert und gecheckt werden können,
weil nur die Algebra der partiellen Ableitungen sowie Addition, Multiplikation eingehen.
Ein Proffchecker könnte systematisch alle denkbaren Umformulierungswege in diesem
ausserordentlich engen Ausdrucksraum durchspielen und vorschlagen/prüfen.
Zugleich ist nur ein relativ sehr minimaler Bereich der Algebra zu kodieren.
Wegen der ungeheuer breiten Anwendung der Thermostatik in zahlreichen technischen Bereichen
wird dieses erste Stück von PML wesentlich zur Akzeptanz und Verbreitung beitragen,
wenn hierzu ein Editor und ein Gleichungs- und Proofchecker gebaut werden.
- suessmann-hilf-1970
General Definition of the Perfect Gas Concept
Authors:
G. Suessmann and
Eberhard R. Hilf
File:
ebs.GenDefPerfGas.pdf
Date: 1970
Article: Pure and Applied Chemistry, Vol. 22, Nos. 3-4, ( 1970 ).
Abstract:
A differential equation of state is presented for a monatomic gas without
virial interactions between its particles. Together with suitable boundary
conditions this defines a macroscopic concept of the '' perfect '' gas.
- hilf-suessmann-1972
Simplified Notation of Partial Derivatives for Use in Thermodynamics
Authors:
Eberhard R. Hilf and
G. Suessmann
Files:
ebs.simplified.notation.pdf
Date: 1972
Article: unpublished
Abstract:
The notation
is proposed for the partial derivative
. Its usefulness in thermodynamics is demonstrated
by deducing the fundamental relations. The Jacobian matrices are interpreted
as quotients of multidimensional differentials, called partials. These devices
have been applied to higher dimensions.
- planck-1905
Thermodynamik
Max Planck
Verlag von Veit und Komp. 1905 S.55f Kapitel Anwendungen auf homogene Systeme
- The concepts of classical thermodynamics
H. A. Buchdahl
Cambridge University Press (1966) §80 , p. 165
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Mathematics Department, Macquarie University, Sydney.
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The translation was initiated by Eberhard R. Hilf on 2005-07-13
Footnotes
- ... Potentials1
- Wir gehen hier bewusst
von der traditionellen Schreibweise zunächst aus.
- ... muss2
- also die innere Energie plus die
bei konstantem Druck unvermeidlich entstehende mechanische Ausdehnungsarbeit
,- , dabei ist
, die sogenannte freie Energie,
ein thermostatisches Potential, aber mit den Variablen
.
Eberhard R. Hilf
2005-07-13