Tauss FORUM
E.R.Hilf, 14.3.1999

Zeitplan:
  15.4.99: erster Zwischenbericht
  Mai 99:  Diskussionstagung in der Friedrich Ebert Stiftung
 Juni 99: Klausurtreffen der Autoren.
 

Anforderungen  aus der Wissenschaft

Ziel  des Forums

Ausarbeitung von konkreten und umsetzbaren Vorschlaegen fuer eine
zukunftsorientierte Politik der Bundesregierung

Vorteil des Forums: unabhaengig von Tagesrandbedingungen

Methode:

Ausarbeitung eines ausgearbeiteten Textes als Enquete  mit konkreten Empfehlungen.
 

Verfahren:

Es sollten abweichende Meinungen, soweit sie nicht in endlich langer Diskussion zu  einer Einigung gefuehrt haben, parallel dargestellt werden.
 

Thema-Eingrenzung:

In diesem Thread sollen die Anforderungen aus der Wissenschaft ausgearbeitet werden.

Da das Ziel  hier die Neuorganisation des gesamten Managements  der wissenschaftlichen  Information und Kommunikation ist,  sieht sich dieser Thread als einer der Ecksteine des  Geamtwerkes. Die Anderen sind: Realisierung durch Firmen,  Bibliotheken, Informationszentren,  und moeglicherweise eine Fuelle neuer Provider.

I. : Recht der Oeffentlichkeit auf wissenschaftliche Information

Als erstes Teilthema sei das Urheberrecht gewaehlt.
Hier besteht Handlungsbedarf
  1.  a) durch den Gesetzgeber
  2.  b) durch die Bundesregierung als Foerderorganisation.

Die Herausforderung  ist die sogenannte 'Bibliotheken-krise'.  Der bisherige Weg der wissenschaftlichen Information war:  Die Autoren verfassen wisenschaftliche Artikel, senden sie an eine Zeitschrift eines  wiss. Verlages. Dieser verlangte dafuer den alleinigen Besitz de  Rechte.  Dies war notwendig, um den langen und teuren Prozess der wiss. Begutachtung,  der Drucklegung, des Druckes, des weltweiten Vertriebes vorzufinanzieren.  Die Leser konnten dann die Informationen in der (Universitaets-)Bibliothek einsehen.

Die Kosten finanziert der Staat (Land und Bund) ueber den Bibliotheksetat.
Die Etats der Biblitheken sind meist eingefroren.

Die Verlage haben durch die Umstellung auf elektronische Verarbeitung der Dokumente im Hause,  durch die neuen digitalen Drucktechniken,  durch die oft perfekt bereits digital erstellten  und dem Verlag ueber email zugesandten Dokumente, durch die Umstellung auf Email  im Verkehr mit den Gutachtern wesentliche Kosteneinsparungen erreicht, die von  Unabhaengigen mit ueber 50 % geschaetzt wurden.  (Beispiel: die Artikel der PR (Physical Review) des Verlages APS der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft, werden vom Autor elektronisch mit  Latex in einem von der APS vorgegebenen Layout (REVTEX) erstellt und elektronisch eingesandt. Bei positiver Begutachtung lassen sich diese elektronischen Files ohne jede  Awenderung direkt der Druckmaschine zufuehren.)

Die Verlage haben derzeit durch den Copyright-Vertrag mit dem Autor ein  'Besitzrecht' am Dokument. Der Autor darf es nicht auch an andere Verlage senden,  er darf es nicht selbst vertreiben, - nicht einmal ihm selbst ist der Zugang ohne  dasss seine Bibliothek bezahlt hatl, moeglich.

 
Die Verlage haben daher zur Zeit ein Monopol, und nutzen dies, um ihren Boersenwert  zu steigern, indem sie die Preise nach Belieben steigern, in diesem Jahr allein um im Mittel  20%.  Bei dem bisherigen Weg gibt es keinen Ausweg, die Bibliotheken muessen die  Summen zahlen, denn der entsprechende Arikel ist anders nicht beschaffbar.  Der derzeitige Ausweg ist, dass die Bibliotheken immer mehr Zeitschriften abbestellen.  Es ist sinnnvoll, dass Marktpartner fuer gute Produkte nehmen, was sie nehmen  koennen, aber dazu gehoert der Wettbewerb.   Wie ist dieser wieder herzustellen?

In Italien hat 1932 Enrico Fermi, ein Physiker,  eingefuehrt, seine wissenschaftlichen  Ergebnisse vor einer Veroeffentlichung in einer wissenschaftlichen Zeitschrift direkt  an seine Kollegen weltweit zu versenden. Dies hat wesentlich zur Beschleunigung  der Verbreitung der Information  und zu seinem eigenen weltweiten Bekanntheitsgrad  beigetragen.  In USA wurde 1991 von Paul Ginsparg nun ein elektronischer zentraler Preprint  Server  eingerichtet. Jeder Autor  kann dort sein Dokument elektronisch einreichen.  Es bekommt ein Eingangsdatum und wird elektronisch archiviert und auf dem Internet  angeboten. Der Autor behaelt das  Recht, seinen Artikel unabhaengig an Verlage  zu senden zur Begutachtung  und zur Aufnahme in eine wiss. Zeitschrift.  In einigen Gebieten der Physik und benachbarter Faecher hat sich dieses System
flaechendeckend eingefuehrt.

An den grossen fuehrenden amerikanischen Hochschulen wird nun vorgeschlagen  (bzw. ist in CALTEC bereitsim Januar 1999 eingefuehrt), dass die Wissenschaftler,  die Forschungsergebnisse mit Staatsmitteln erforscht haben, das Recht am  Inhalt behalten, bzw. es durch ihre Institution geschuetzt bekommen.  Es muss auf solchen o.g. Preprint Servern der Oeffentlichkeit, -und eben allen  weltweit, nicht nur denen, deren Bibliotheken sich dies leisten  koennen,  --zur Verfuegung gestellt werden. Er darf jederzeit, z.B. um einen Nachweis fuer seine vita zu bekommen und seine Berufschancen zu verbessern, die Arbeit an Verlage z.B. zur  Begutachtung senden. Die Kosten dieses Verfahrens muss er mit dem Verlag aushandeln  (Finanzierung durch den Autor durch page charges).

Die fuehrenden Industrienationen (z.B. USA, Kanada, England, Australien, Israel, Brasilien, Italien, etc.) haben inzwischen alle
sogenannte 'Spiegel' des LANL Systems eingerichtet, insgesamt gibt es derzeit ca. 25 weltweit.
Diese bilden ein gemeinsames Netz, bei dem gemeinsam Programme und Dienste entwickelt und genutzt werden.

In Deutschland gibt es einen sehr aktiven Spiegel in Augsburg, der von einer Hochschulgruppe betrieben wird und wesentliche
neue Software und Dienstergaenzungen bietet und in das internationale Netz eingespeist hat.
Zur Zeit werden in Halle und Darmstadt jeweils sogenannte interne Spiegel eingerichtet, die zu Forschungszwecken dienen.

Wir sehen auf Dauer dies jedoch als eine staatlich zugarantierende Daueraufgabe an. Dies muss durch eine 'non-profit'
Institution auf Dauer und professionell angeboten werden.

Durch diese Regelung fuer Informationen, die mit Staatsmitteln erhalten wurden,  koennen die Bibliotheken ohne Schaden fuer die Informationsbeschaffung Zeitschriften  abbestellen.  Ein Teil der frei werdenden Mittel der Bibliotheken ist dann fuer diePage charges von  Artikeln aus der eigenen Universität verwendbar.  Er kann jedoch auch verwendet werden, um die Forschungsgruppen darin zu unterstuetzen,  die  jeweils gewuenschten Informationen direkt von den entsprechenden,weltweit  verteilten Arbeitsgruppen zu erhalten, z.B. durch Aufnahme von email Kontakten,  z.B. durch Einsicht in deren Server, z.B. durch suchen auf dem Internet.

Es wird so erleichtert, aufbauend auf diesem Server eine Fuelle von Diensten kommerzieller Provider aufzusetzen, die in freiem Wettbewerb leistungsfaehige neue Dienste anbieten (Linking-Dienste, Thesaurus-Dienste, intelligente Suchmaschinen, etc.)
 

Empfehlungen fuer die Bundesregierung

A)  Ergaenzung des deutschen Urheberrechts fuer Informationen, die mit staatlichen  Mitteln in der Forschung erbracht wurden.  Ziel ist die volle und ungehinderte Information der Oeffentlichkeit unabhaengig von den  Etats der Bibliotheken.

B) Foerderung von Pilotvorhaben in einzelnen Wissenschaftsbereichen zur  direkten Informationsbeschaffung von den weltweit verteilten Arbeitsgruppen.

C) Empfehlung an die Bibliotheken, Zeitschriften abzubestellen und das Geld fuer  Hilfkraefte, die die Wissenschaftsgruppen in der Informationsbeschaffung unterstuetzen,  sowie fuer page charges der Autoren der eigenen Universitaet zu verwenden.  Dabei soll untersucht werden, wie hoch die Kosteneinsparungen bzw. die  Verbesserung der Informationsbeschaffung ist gegenueber dem bisherigen System,  bei dem weniger als 10% der weltweit vorhandenen wiss. Zeitschriften sich von  einer typischen Universitaetsbibliothek geleistet werden koennen.

D) Foerderung von Kontakten zu entsprechenden Vorhaben im Ausland
(Reisen, Workshops).

E) Initiative in der EG fuer entsprechende Entwicklungen.

F) Bildung eines Beraterkreises fuer die Bundesregierung  aus allen Faechern  der Wissenschaften und aus den Bibliotheken, Rechenzentren, Multimediazentren  der wiss. Hochschulen in Deutschland.

G) Betrauung einer nationalen Institution mit der Aufgabe des nationalen Spiegels des sich bildenden weltweiten alle Faecher uebergreifenden wissenschaftlichen  Informations-Dokumentenspiegels. (z.B. FIZ Karlsruhe oder Die Deutsche Bibliothek).
In deren AUfsichtsgremium sollten die Wissenschaftsgesellschaften vertreten sein, eventuell ueber von der IuK Initiative der
wissenschaftlichen Fachgesellschaften zu waehlenden Vertreter.
 
 


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