Zeitplan:
15.4.99: erster Zwischenbericht
Mai 99: Diskussionstagung in der Friedrich Ebert Stiftung
Juni 99: Klausurtreffen der Autoren.
Da das Ziel hier die Neuorganisation des gesamten Managements der wissenschaftlichen Information und Kommunikation ist, sieht sich dieser Thread als einer der Ecksteine des Geamtwerkes. Die Anderen sind: Realisierung durch Firmen, Bibliotheken, Informationszentren, und moeglicherweise eine Fuelle neuer Provider.
Die Herausforderung ist die sogenannte 'Bibliotheken-krise'. Der bisherige Weg der wissenschaftlichen Information war: Die Autoren verfassen wisenschaftliche Artikel, senden sie an eine Zeitschrift eines wiss. Verlages. Dieser verlangte dafuer den alleinigen Besitz de Rechte. Dies war notwendig, um den langen und teuren Prozess der wiss. Begutachtung, der Drucklegung, des Druckes, des weltweiten Vertriebes vorzufinanzieren. Die Leser konnten dann die Informationen in der (Universitaets-)Bibliothek einsehen.
Die Kosten finanziert der Staat (Land und Bund) ueber den Bibliotheksetat.
Die Etats der Biblitheken sind meist eingefroren.
Die Verlage haben durch die Umstellung auf elektronische Verarbeitung der Dokumente im Hause, durch die neuen digitalen Drucktechniken, durch die oft perfekt bereits digital erstellten und dem Verlag ueber email zugesandten Dokumente, durch die Umstellung auf Email im Verkehr mit den Gutachtern wesentliche Kosteneinsparungen erreicht, die von Unabhaengigen mit ueber 50 % geschaetzt wurden. (Beispiel: die Artikel der PR (Physical Review) des Verlages APS der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft, werden vom Autor elektronisch mit Latex in einem von der APS vorgegebenen Layout (REVTEX) erstellt und elektronisch eingesandt. Bei positiver Begutachtung lassen sich diese elektronischen Files ohne jede Awenderung direkt der Druckmaschine zufuehren.)
Die Verlage haben derzeit durch den Copyright-Vertrag mit dem Autor ein 'Besitzrecht' am Dokument. Der Autor darf es nicht auch an andere Verlage senden, er darf es nicht selbst vertreiben, - nicht einmal ihm selbst ist der Zugang ohne dasss seine Bibliothek bezahlt hatl, moeglich.
Die Verlage haben daher zur Zeit ein Monopol, und nutzen dies, um ihren
Boersenwert zu steigern, indem sie die Preise nach Belieben steigern,
in diesem Jahr allein um im Mittel 20%. Bei dem bisherigen
Weg gibt es keinen Ausweg, die Bibliotheken muessen die Summen zahlen,
denn der entsprechende Arikel ist anders nicht beschaffbar. Der derzeitige
Ausweg ist, dass die Bibliotheken immer mehr Zeitschriften abbestellen.
Es ist sinnnvoll, dass Marktpartner fuer gute Produkte nehmen, was sie
nehmen koennen, aber dazu gehoert der Wettbewerb. Wie
ist dieser wieder herzustellen?
In Italien hat 1932 Enrico Fermi, ein Physiker, eingefuehrt, seine
wissenschaftlichen Ergebnisse vor einer Veroeffentlichung in einer
wissenschaftlichen Zeitschrift direkt an seine Kollegen weltweit
zu versenden. Dies hat wesentlich zur Beschleunigung der Verbreitung
der Information und zu seinem eigenen weltweiten Bekanntheitsgrad
beigetragen. In USA wurde 1991 von Paul Ginsparg nun ein elektronischer
zentraler Preprint Server eingerichtet. Jeder Autor kann
dort sein Dokument elektronisch einreichen. Es bekommt ein Eingangsdatum
und wird elektronisch archiviert und auf dem Internet angeboten.
Der Autor behaelt das Recht, seinen Artikel unabhaengig an Verlage
zu senden zur Begutachtung und zur Aufnahme in eine wiss. Zeitschrift.
In einigen Gebieten der Physik und benachbarter Faecher hat sich dieses
System
flaechendeckend eingefuehrt.
An den grossen fuehrenden amerikanischen Hochschulen wird nun vorgeschlagen (bzw. ist in CALTEC bereitsim Januar 1999 eingefuehrt), dass die Wissenschaftler, die Forschungsergebnisse mit Staatsmitteln erforscht haben, das Recht am Inhalt behalten, bzw. es durch ihre Institution geschuetzt bekommen. Es muss auf solchen o.g. Preprint Servern der Oeffentlichkeit, -und eben allen weltweit, nicht nur denen, deren Bibliotheken sich dies leisten koennen, --zur Verfuegung gestellt werden. Er darf jederzeit, z.B. um einen Nachweis fuer seine vita zu bekommen und seine Berufschancen zu verbessern, die Arbeit an Verlage z.B. zur Begutachtung senden. Die Kosten dieses Verfahrens muss er mit dem Verlag aushandeln (Finanzierung durch den Autor durch page charges).
Die fuehrenden Industrienationen (z.B. USA, Kanada, England, Australien,
Israel, Brasilien, Italien, etc.) haben inzwischen alle
sogenannte 'Spiegel' des LANL Systems eingerichtet, insgesamt
gibt es derzeit ca. 25 weltweit.
Diese bilden ein gemeinsames Netz, bei dem gemeinsam Programme und
Dienste entwickelt und genutzt werden.
In Deutschland gibt es einen sehr aktiven Spiegel in Augsburg, der von
einer Hochschulgruppe betrieben wird und wesentliche
neue Software und Dienstergaenzungen bietet und in das internationale
Netz eingespeist hat.
Zur Zeit werden in Halle und Darmstadt jeweils sogenannte interne Spiegel
eingerichtet, die zu Forschungszwecken dienen.
Wir sehen auf Dauer dies jedoch als eine staatlich zugarantierende Daueraufgabe
an. Dies muss durch eine 'non-profit'
Institution auf Dauer und professionell angeboten werden.
Durch diese Regelung fuer Informationen, die mit Staatsmitteln erhalten wurden, koennen die Bibliotheken ohne Schaden fuer die Informationsbeschaffung Zeitschriften abbestellen. Ein Teil der frei werdenden Mittel der Bibliotheken ist dann fuer diePage charges von Artikeln aus der eigenen Universität verwendbar. Er kann jedoch auch verwendet werden, um die Forschungsgruppen darin zu unterstuetzen, die jeweils gewuenschten Informationen direkt von den entsprechenden,weltweit verteilten Arbeitsgruppen zu erhalten, z.B. durch Aufnahme von email Kontakten, z.B. durch Einsicht in deren Server, z.B. durch suchen auf dem Internet.
Es wird so erleichtert, aufbauend auf diesem Server eine Fuelle von Diensten
kommerzieller Provider aufzusetzen, die in freiem Wettbewerb leistungsfaehige
neue Dienste anbieten (Linking-Dienste, Thesaurus-Dienste, intelligente
Suchmaschinen, etc.)
A) Ergaenzung des deutschen Urheberrechts fuer Informationen, die mit staatlichen Mitteln in der Forschung erbracht wurden. Ziel ist die volle und ungehinderte Information der Oeffentlichkeit unabhaengig von den Etats der Bibliotheken.
B) Foerderung von Pilotvorhaben in einzelnen Wissenschaftsbereichen zur direkten Informationsbeschaffung von den weltweit verteilten Arbeitsgruppen.
C) Empfehlung an die Bibliotheken, Zeitschriften abzubestellen und das Geld fuer Hilfkraefte, die die Wissenschaftsgruppen in der Informationsbeschaffung unterstuetzen, sowie fuer page charges der Autoren der eigenen Universitaet zu verwenden. Dabei soll untersucht werden, wie hoch die Kosteneinsparungen bzw. die Verbesserung der Informationsbeschaffung ist gegenueber dem bisherigen System, bei dem weniger als 10% der weltweit vorhandenen wiss. Zeitschriften sich von einer typischen Universitaetsbibliothek geleistet werden koennen.
D) Foerderung von Kontakten zu entsprechenden Vorhaben im Ausland
(Reisen, Workshops).
E) Initiative in der EG fuer entsprechende Entwicklungen.
F) Bildung eines Beraterkreises fuer die Bundesregierung aus allen Faechern der Wissenschaften und aus den Bibliotheken, Rechenzentren, Multimediazentren der wiss. Hochschulen in Deutschland.
G) Betrauung einer nationalen Institution mit der Aufgabe des nationalen
Spiegels des sich bildenden weltweiten alle Faecher uebergreifenden wissenschaftlichen
Informations-Dokumentenspiegels. (z.B. FIZ Karlsruhe oder Die Deutsche
Bibliothek).
In deren AUfsichtsgremium sollten die Wissenschaftsgesellschaften vertreten
sein, eventuell ueber von der IuK Initiative der
wissenschaftlichen Fachgesellschaften zu waehlenden Vertreter.
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