chandos-coverScientific Publishing:
From vanity to strategy

Hans E. Roosendaal 1
Kasia Zalewska-Kurek
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Peter A. Th. M. Geurts
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Eberhard R. Hilf
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Wissenschaftliches Publizieren sollte den Wissenschaftler bei seiner wissenschaftlichen Arbeit effektiv unterstützen. Dazu reicht es nicht, einen Artikel nur zu schreiben, sondern dieser muss auch weltweit für die wissenschaftliche Community und für lange Zeit verfügbar und zugänglich gehalten werden. Dabei muss die Community die immanenten Kosten, auf welchem Wege auch immer, in jedem Falle aufbringen, sei es als Autorengebühren oder durch die Leser (über ihre Bibliotheken). Ausgehend von den Anforderungen der Wissenschaft wird in diesem Buch 3 nach Wegen zu einer optimalen Organisation und dazu passenden Geschäftsmodellen.

Zunächst werden die bekannten Geschäftsmodelle, das Subskriptionsmodell und das gegenwärtige Open-Access Modell analysiert. Ausgehend von einer sauberen Trennung der beiden Hauptparameter jeden Geschäftsmodells wissenschaftlichen Publizierens, der Verfügbarkeit und der Auswahl von Information, ergibt sich jedoch ein ganzes Spektrum von passenderen Geschäftsmodellen.

Das Subskriptionsmodell ist ja aus dem sogenannten Papier-Zeitalter wohlbekannt: ein Verlag publiziert eine Zeitschrift und schließt mit den Bibliotheken einen langfristigen Subskriptionsvertrag für die Lieferung. Oft gehören hierzu auch zusätzliche Dienste, z.B. die gebührenpflichtigen Artikel als digitale Kopie aufs Netz zu stellen.

Eine strategische Alternative, die im digitalen Zeitalter aufkam, ist das Open Access Geschäftsmodell. In diesem Buch wird das Rätsel beleuchtet, warum dieses bisher keine größere Marktdurchdringung als etwa 15% erreicht hat. Wir zeigen als Ursache auf, dass die Wertschöpfungskette der beteiligten Geschäftspartner noch weitgehend die des Print-Zeitalters ist, sowie, dass die Rollen der Partner nicht mit ihrer jeweiligen Motivation übereinstimmen.

Ein optimales Geschäftsmodell muss daher erst noch gefunden werden, eines, dass die Anforderungen der Wissenschaftler erfüllt, jedem beteiligten Partner seinen geschäftlichen Anreiz gibt. Es muss ein optimales Kooperieren und Aufteilen der notwendigen Arbeiten und Dienste unter den Dienstleistern sicherstellen sowie professionelle add-on Dienste anbieten, die auch eine effektive inhaltliche Nutzung von Publikationen ermöglichen. Der erste Schritt dazu, die Anforderungen der Wissenschaftler zu erfüllen, ist, auch ihre Rollen im Wissenschaftsbetrieb und die damit verbundenen unterschiedlichen Anforderungen und Beiträge zur wissenschaftlichen Information zu analysieren. Die Anforderungen, um Forschungsresultate zu publizieren und dafür wissenschaftliche Infromation zu acquirieren, sind durch die jeweilige strategische Positionierung des Forschers und die Rolle, die er im Wettbewerb innerhalb des Forschungsbetriebs spielt, bestimmt. In diesem Buch analysieren wir diese strategische Positionierung. Es führt uns zu einer Anzahl von prinzipiellen Positionen oder sogenannten Moden für die Rolle eines Wissenschaftlers, jede mit spezifischen Anforderungen an den wissenschaftlichen Publikationsprozess.

Als Nächstes werden die die Anforderungen und Rollen der anderen Partner im Publikationsprozess beleuchtet: Bibliotheken, Institutionen, Verlage, etc. Diese Anforderungen und Rollen entsprechen in den bisherigen Geschäftsmodellen nicht immer den jeweiligen Incentives, aktiv zu werden.

Für ein leistungsfähiges wissenschaftliches Publikationssystem sind die unbeschränkte Verfügbarkeit und der leichte Zugang zu Information ebenso wichtig wie die hohe Qualität von Zusatzdiensten und die Filterung (Suche und Auswahl von für den Leser relevanten Dokumenten). Daher muss jedes Geschäftsmodell auch eine gute Balance zwischen Verfügbarkeit und Filterung finden. Verfügbarkeit und Filterung können als zwei unabhängige Dienste gesehen werden, die durchaus auch von verschiedenen Anbietern bedient werden könnten: Anbieter, die für die weite Verbreitung der wissenschaftlichen Information zuständig sind und andere, die professionelle Zusatzdienste anbieten, die z.B. die Mühe der Auswahl durch den Wissenschaftler unterstützen.

Auf diese Weise können Geschäftsmodelle für das Publizieren unterschiedliche Kombinationen von Verfügbarkeit und Filterung anbieten, und so die lineare Kette der Wertschöpfung in den existierenden Modellen aufbrechen. Dieses führt zu einer ganzen Suite unterschiedlicher Geschäftsmodelle für das wissenschaftliche Publizieren; unterschiedliche Verbünde verschiedener Provider könnten ganz unterschiedliche Modelle wählen. Verantwortung und Kosten für die Verfügbarkeit sind dabei durchaus von denen der Wissens-Filterung zu unterscheiden.Diese Modelle erlauben den Wissenschaftlern, flexibel für sie relevante Information zu finden und Zusatzdienste auszuwählen, für die sie eventuell dann auch bezahlen wollen.

Das gegenwärtig dominante Geschäftsmodell, das Subskriptionsmodell, ist vorratswirtschafts- und verlagsorientiert, anstelle von nachfrage- und wissenschafts-orientiert. Das Open Access Modell in all seinen derzeitigen Variationen erscheint im wesentlichen ebenfalls vorratswirtschafts- und verlagsorientiert.

Dies bedeutet, dass beide Geschäftsmodelle nicht wirklich die Anforderungen des wissenschaftlichen Publikationsmarktes im digitalen Zeitalter treffen. Die Entwicklung geht zu e-Science, d.h. der vollen Intergration von Information in den Wissenschaftsprozess.Dies verlangt ein nachfrage-orientiertes und wissenschafts-orientiertes Geschäftsmodell. Es wird gezeigt, dass diese Bedingungen durch eine Bandbreite von Geschauml;ftsmodellen abgedeckt werden, die flexible angepasste Wertschöpfungsketten haben mit parallel dazu angebotenen Zusatzdiensten von spezialisierten Anbietern. Auf diese Weise kann ein echter Wettbewerbsorientierter Publikationsmarkt entstehen.

Die Leitlinie in diesem Buch ist, dass wissenschaftliches Publizieren primär den Wissenschaftsprozess der Wissensproduktion unterstützen soll. e_Science zu stimulieren, ist eine Herausforderung für das wissenschaftliche Publizieren. E-Science erfordert neue Strategien und Geschäftsmodelle, wie sie in diesem Buch diskutiert werden.


[1] Hans E. Roosendaal, School of Management and Governance, University of Twente, The Netherlands
Contact address: h.e.roosendaal (at) utwente.nl

[2] Kasia Zalewska-Kurek, School of Management and Governance, University of Twente, The Netherlands
Contact address: k.zalewska-kurek (at) utwente.nl

[3] Peter A. Th. M. Geurtz, School of Management and Governance, University of Twente, The Netherlands
Contact address: P.A.T.M.Geurtz (at) utwente.nl.

[4] Eberhard R. Hilf, Institute for Science Networking Oldenburg at the Carl von Ossietzky University, Germany

[5] Bestellung beim Verlag: http://www.woodheadpublishing.com/en/book.aspx?bookID=1916&ChandosTitle=1g
Eine OpenAccess Summary mit allen Links des Buches findet sich unter
http://www.isn-oldenburg.de/~hilf/publications/scientific-publishing-from-vanity-to-strategy.html .


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