Was kommt nach den wissenschaftlichen Zeitschriften?

Autor: Eberhard R. Hilf, Thomas Severiens
Veröffentlicht am: 2013-01-10

Stefan Winter hat eine wunderbare, stringente Analyse geliefert [1], was Aufgabe und Wert wissenschaftlicher Zeitschriften eigentlich sind.

Das tradierte, vernetzte Angebot der (meist) kommerziellen wissenschaftlichen Verlage von thematisch orientierten wissenschaftlichen Zeitschriften mit verdecktem Referieren durch Gutachter, der „Qualitätsbewertung” eines Zeitschriftenartikels durch den Impact-Faktor der Zeitschrift, Zitations-Zählen, Verkauf der Ware als gedrucktes Werk, etc. wandelt sich im Zeitalter des World Wide Web zu einer immer breiteren und leistungsfähigeren Palette von unabhängigen Einzeldiensten, die keines Verlages mehr bedürfen und die wesentlich mehr Qualität zu niedrigeren Preisen liefern.

  • Wissenschaftliche Arbeiten seien, so Winter, (im Unterschied zu Musik, Belletristik) „Voluntary Public Goods” (VPG), d.h. die Allgemeinheit hat ein Recht darauf, ungehindert Zugang zum Volltext zu haben (Neuigkeiten zu OA unter Open Access Now; Relevant, current, curated news and information about open access and scholarly publishing).
  • Eine unmittelbar nach dem online Open Access stellen einer Arbeit einsetzende Diskussion aller weltweit verteilten Experten ist fachlich höherwertig, als die Meinung weniger und verdeckt arbeitender Gutachter eines Verlages, auch, weil sich diese keiner Kritik an ihrer Meinung aussetzen im Gegensatz zu offen agierenden Diskutanten (näheres, siehe: Open Peer Review).
  • Die Qualitätsfilterung ergibt sich besser aus dem Echo der Diskussion und einer Messung des Leseverhaltens der Community, frei nach dem aus Online-Shops bekannten „andere, die dies taten, haben auch das getan”.
  • Das Zählen von Downloads und eine Motivation der Leser zu einem eigenen Ranking des Papers würde die Qualitätsfilterung ergänzen.

Bereits jetzt gibt es zunehmend fachverständige Filterdienste online. So können online-Summaries (wie dieser) Kollegen leiten, wissenschaftliche eigene Tätigkeit dokumentieren und einen Know-How Pool bisher unbekannter Qualität aufbauen. Ein solcher, neuer Service ist Papercore, ein (Wiki-basierter) Summary-Dienst für die Physik.

Insgesamt wird so die bisherige Rolle der kommerziellen Verlage überflüssig. Sie wird durch eine Palette unabhängiger, qualitativ höherwertiger Online-Dienste ersetzt.

Ein Beispiel von Diensten, die diesem Konzept partiell gerecht werden, ist SSRN – Social Science Research Network (mit dem schönen Motto: „Tomorrow’s Research today”).

Quelle:
[1] Winter, Stefan, What Do Journals Do? – Voluntary Public Goods and the Doomsday of Commercial Science Publishing (December 14, 2012). Available at SSRN: http://ssrn.com/abstract=2189631 or http://dx.doi.org/10.2139/ssrn.2189631

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