Was macht die Dissertationen-Online Diskussion in Deutschland?

Autor: Eberhard R. Hilf, Thomas Severiens
Veröffentlicht am: 2013-01-17

Wann hat man je wieder soviele zusammenhängende Zeit, Kompetenz und Energie für eine eigene wissenschaftliche Arbeit? Dissertationen sind potentiell besonders gehaltreiche, aktuelle, wissenschaftliche Arbeiten. Dissertationen, wie z.T. auch andere Examensarbeiten an Hochschulen sind Hochschul-eigen. Kopien der Arbeiten müssen zugänglich aufbewahrt und nachles- und nachprüfbar sein. Online lässt sich dies heute dank Open Access bequem realisieren.

Vor allem in den USA hat sich über das etablierte und umfassende Registry NDLTD eine lebhafte Diskussions-Szene zu allen Feinheiten und Besonderheiten des Open Access für Dissertationen gebildet: Fragen sind z.B.: Wie dürfen Korrekturen nachträglich eingebracht werden? Welche technischen Lösungen gibt es für nicht-textuelle Arbeiten? Wie wird die Langzeit-Lesbarkeit sichergestellt? Und es gibt immer rechtliche Fragen wie z.B. bei Teil-Publikation in einem Verlag oder die Verwendung geschützter Quellen.

In Deutschland bietet die Deutsche Nationalbibliothek (DNB) die (Langzeit-)Archivierung der Dissertationen an und dokumentiert das Archivgut und dessen Historie mit seinem XMetaDissPlus Metadatenformat.

Allerdings: die Zahl der neu registrierten Online Dissertationen in Deutschland stagniert seit 2004 und fällt sogar in den letzten Jahren wieder ab. Siehe das Diagramm „Entwicklung des Anteils der online Dissertationen ingesamt”.

Dies nicht etwa, weil andere Anbieter für die Langzeitarchivierung auf dem Markt erschienen sind oder weil die Anzahl der Dissertationen an den Hochschulen rückläufig ist. Vermutet werden muss vielmehr ein Informationsmangel im ganzen die Disserationen begleitenden Workflow, von den Promoventen über die Prüfungsausschüsse bis zu den Bibliothekaren der Hochschulen. Nur an wenigen Hochschulen gibt es noch Diss-online Beauftragte, die dann aktiv sich mit den Promotionsausschüssen der Fakultäten über die Subtilitäten verständigen und über die bequemen und effizienten Möglichkeiten einer Online-Dissertation informieren.

Wir, als Institute for Science Networking, hatten einst die Entwicklung von Online-Dissertationen und eines etablierten Diss-Online-Systems mit angestoßen; auch mit dem DFG-Projekt dissonline. Wir sehen inzwischen mit einem lachenden Auge die Etablierung der Langzeitarchivierung in der DNB und mit einem weinenden Auge die Abkopplung von der Praxis in den Fachbereichen, als Resultat einer „akademisch-organisatorischen Demenz”, der man durch einen bundesweiten Schub in Form einer Veranstaltungsreihe in den Fachbereichen leicht entgegenwirken könnte. Noch ist ausreichend Rest-Erinnerung vorhanden, um ein effizientes und umfassendes Dissertationen-Online-System ohne zu großen Aufwand zu reaktivieren.

Sie sind an dieser Reaktivierung interessiert? Dann nehmen Sie doch mit uns Kontakt auf!

Weiterführende Quellen:

  1. FUSE Free US ETDs promoting Open Access to American graduate research Es gibt dort u.a. eine lebhafte Diskussion zu einem OA Portal to US Theses and Dissertations.
  2. Eine lebhafte Diskussion gibt es auch in ETD-L und das zentrale NDLTD Networked digital Library of Theses and Dissertations.
  3. Ein synoptisches Verzeichnis von immerhin 2 Millionen OA-Dissertationen findet sich in dem noch etwas fehlerbehafteten neuen Server
  4. Auch in Frankreich hat sich ein neues Portal gebildet.
  5. DFG-Projekt Dissertationen Online
  6. Electronic Theses and Dissertations Bibliography; Charles W. Bailey, Jr. Version 6: 1/17/2012
  7. Weitere Open-Access Verzeichnisse: Digital/Print Books, Digital Bibliographies, Weblogs

Dieser Beitrag ist auch in Zugang-zum-Wissen erschienen.

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